Achtzig Gramm im Jahr: wie Mountain Pashmina wirklich entsteht
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Die meisten Menschen, die Pashmina kaufen, haben nie erfahren, wie die Faser gewonnen wird. Die Antwort ist merkwürdiger und schöner, als das Marketing gewöhnlich nahelegt — und wer sie kennt, sieht im Preis keine erfundene Zahl mehr.
Das Tier
Die Ziege heißt Chyangra. Sie lebt hoch im nepalesischen Himalaya — in Mustang, Dolpa, Manang und zwölf weiteren Bergdistrikten, auf über viertausend Metern, wo der Winter eine Arbeit verrichtet, die keine Fabrik nachahmen kann.
Die Kälte ist der ganze Mechanismus. Um einen Himalaya-Winter zu überstehen, bildet das Tier unter dem Deckhaar ein Unterhaar aus, und dieses Unterhaar ist so fein, dass man es in Mikrometern misst statt in Millimetern: zwölf bis sechzehn, gegenüber rund siebzig bei einem menschlichen Haar. Keine Verarbeitung erzeugt das. Nur die Höhe.
Der Fellwechsel im Frühjahr
Im Frühjahr haart das Tier ab, und der Hirte kämmt das Unterhaar von Hand aus. Danach geht die Ziege zurück zur Herde.
Das ist der Teil, bei dem es sich lohnt zu verweilen. In den Gemeinschaften, die diese Herden halten, wird die Chyangra geachtet — sie gehört zum Haushalt und zum Ökosystem, wird über den Winter gefüttert und über Jahre gehalten. Was sie jedes Frühjahr abgibt, wächst bis zum nächsten nach. Die Faser ist erneuerbar im wörtlichsten Sinn des Wortes: ein Tier, lebendig, das tut, was es ohnehin tut.
Die Rechnung
| Faserdurchmesser | 12–16 Mikrometer — ein menschliches Haar misst rund 70 |
| Jahresertrag | 80–200 Gramm pro Tier und Jahr |
| Ein Schal | Der gesamte Jahresertrag von drei bis vier Tieren |
| Höhenlage | Über 4.000 Meter |
| Gewinnung | Von Hand ausgekämmt während des Fellwechsels |
Das ist die vollständige Erklärung für den Preis von echtem Pashmina. Keine Knappheit als Erzählung — Knappheit als Rechnung. Ein Schal steht für ein Jahr Wachstum von drei oder vier Tieren, von Hand gesammelt, in einer Jahreszeit, die einmal im Jahr kommt.
Deshalb ist der Preis zugleich der verlässlichste Anhaltspunkt für jeden, der kein Labor zur Hand hat. Echtes zertifiziertes Mountain Pashmina lässt sich nicht unter etwa 80 bis 100 Euro für einen gewöhnlichen Schal herstellen, weil allein die Rohfaser mehr kostet. Alles deutlich Günstigere ist eine Mischung — was auch immer auf dem Etikett steht.
Auskämmen ist ein Handwerk, keine Nebensache
Die Qualität dessen, was am Webstuhl ankommt, entscheidet sich fast vollständig in den ersten zehn Minuten nach dem Tier. Faser, die nachlässig ausgekämmt oder gemeinsam mit dem groben Deckhaar sortiert wird, lässt sich später nicht mehr retten.
In Nepal wird das ernst genommen. Über tausend Hirtinnen und Hirten wurden im tierschonenden Auskämmen, Sortieren und Klassieren geschult, Kämme wurden in den Erzeugerdistrikten verteilt, und die Preise, die den Hirten gezahlt werden, sind um rund achtzig Prozent gestiegen, weil die Sortierung besser wurde. Bessere Technik, bessere Faser, mehr Geld für die Person mit dem Kamm.
Es ist kein komplizierter Gedanke. Er wird nur selten umgesetzt, weil er Aufmerksamkeit am unglamourösesten Ende der Lieferkette verlangt.
Woher unsere Faser kommt
REIN bezieht über Produzentenkooperativen in Nepal, die nach international geprüften Standards zertifiziert sind; die Herkunft der Faser wird unabhängig verifiziert. Die Frau, die einen REIN-Schal webt, erhält dafür 38 Euro, für ein Plaid 49 Euro. Wir veröffentlichen diese Zahlen, weil es in dieser Branche fast niemand tut — und weil sie der Teil dieser Seite sind, an dem Sie uns messen können.